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„Endlich wieder Studentinnenleben“

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Trotz geschlossener Kneipen stieg der Alkoholkonsum während der Coronapandemie bedenklich an.

Pubs re-opened, dancing may be possible again soon. Like Mira, many students are enjoying their rediscovered student life with one or more fun nights out. With more occasions to drink Mira expects her alcohol consumption to increase. Even though 60 percent of the German population claims to drink less now than before the pandemic, at least 10 percent of young adults in their twenties drink more.

 

Text und Foto:
Jana Uther

 

 

 

„Alkohol aktiviert Abwehrkräfte.“, singt Mira das Lied der norddeutschen Band „Liedfett“, während sie mit ihren beiden Freund*innen fröhlich über die Leinebrücke Richtung Innenstadt spaziert. Sie weiß natürlich, dass das nicht stimmt und das Bier in ihrer Hand sie nicht vor dem Coronavirus schützen kann. Aber witzig ist es trotzdem.

Mehr als ein Jahr waren die Clubs geschlossen. Auch die Kneipen und Bars mussten im Herbst 2020 wieder ihre Türen verriegeln. Und in Gruppen unterwegs zu sein, war wegen der Kontaktbeschränkungen unmöglich. Aber das ändert sich jetzt: Eine Lockerung folgt der nächsten und während Kneipen und Bars wieder geöffnet haben, darf im Juli sogar wieder auf den Tanzflächen der Clubs gefeiert werden.

“Ich habe echt lange nicht mehr getrunken.”

An ihrer Stammkneipe in der Barfüßerstraße angekommen, trinkt Mira einen letzten Schluck aus ihrem Wegbier, schaut ihre beiden Freund*innen an, während sie ihre medizinischen Masken aufsetzen. „Das ist ein epischer Moment, Leute, den müssen wir genießen“, Miras glückliches Lächeln ist sogar noch mit Maske zu erkennen. Die drei suchen sich einen gemütlichen Tisch unter den bunten Lichterketten und scannen den QR-Code, um ihre Kontaktdaten zu hinterlegen. „So ganz vorbei ist Corona eben doch noch nicht“, seufzt die rothaarige Studentin und verstaut ihre Maske, die sie am Platz wieder abnehmen darf, in der Bauchtasche. Beim Bestellen ihres Caipirinhas verhaspelt sie sich mit den Worten. „Das ist bestimmt die Aufregung“, meint sie lachend, „vielleicht auch das Bier von eben. Ich habe echt lange nicht mehr getrunken.“

Tatsächlich hat die Global Drug Survey im Sommer 2020 ergeben, dass 60 Prozent der Menschen in Deutschland während der Pandemie weniger Alkohol trinken als vorher. Allerdings geben auch etwa 10 Prozent an, dass sich ihr Alkoholkonsum im Lockdown verstärkt hat. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem April 2021 zeigt, dass vor allem junge Erwachsene unter 30 Jahren mehr alkoholische Getränke konsumieren als vor Beginn der Pandemie. Mira kann das gut verstehen: „Jetzt darf man endlich mal wieder was machen, feiern und mehrere Freund*innen auf einmal treffen. Kein Wunder, dass der Alkoholkonsum dann steigt.“

Der Konsum alkoholischer Getränke ist traditionell stark mit gemeinschaftlichem Zusammensein verbunden. Bei den meisten Familien und Freundesgruppen gehört es dazu, bei Hochzeiten, Geburtstagen oder nach dem Sport gemeinsam etwas Alkoholisches zu trinken. „Falls man mal nicht so viel trinken will oder lieber gar kein Alkohol trinkt, find ich es aber auch schön, dass es eine so große Auswahl an alkoholfreien leckeren Getränken gibt“, stellt Mira fest, während ihre Freundin sich ein alkoholfreies Bier bestellt. Es komme eben nicht darauf an, dass das Getränk einen hohen Alkoholgehalt habe. Vielmehr geht es ums Zusammensitzen, Quatschen und Zeit genießen.

„Ich trinke zwischendurch immer ein bisschen Wasser“

Und wer auf Alkohol verzichtet, spart sich nicht nur den Kater am nächsten Morgen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Herz schwächt und den Blutdruck steigen lässt. Auch die Leber werde mit dem ständigen Abbau des Alkohols stark beansprucht. Mira trinkt einen Schluck aus ihrer mitgebrachten Wasserflasche. „Ich trinke zwischendurch immer ein bisschen Wasser“, erklärt die Soziologiestudentin stolz und bestellt sich ein kleines Craftbier. Ob das Wasser wirklich hilft? Mira habe keine wissenschaftlichen Beweise dafür, aber ihr Kater am nächsten Morgen sei weniger schlimm.

Mit dem nächsten Bier steigt Miras Laune merklich und sie lacht mit ihren Freund*innen über eine gar nicht so witzige Geschichte. Der Alkohol löst in ihrem Gehirn chemische Vorgänge aus und die Glückshormone Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet. Für die Zeit des mäßigen Konsums an diesem Abend fühlt Mira sich befreit und glücklich. Bei übermäßigem und ständigem Konsum kann dies aber gefährlich werden. Die BZgA warnt, dass sich Konsument*innen schnell an das Glücksgefühl gewöhnen und es bald nur noch nach dem Verzehr von alkoholischen Getränken fühlen können.

Als die Kneipe schließt, macht sich die leicht angetrunkene Dreiergruppe auf den Weg zum Wilhelmsplatz. Eine Runde „Flunkyball“ mit anderen wildfremden Student*innen darf diese Nacht nicht fehlen. „Das habe ich wirklich vermisst. Einfach so leicht angetrunken neue Leute kennenzulernen“, schwärmt Mira mit schwerer Zunge und bespricht mit ihren neuen Bekanntschaften eine Strategie, um das Trinkspiel zu gewinnen.

An der Leinebrücke auf dem Weg zurück ist Miras Wasserflasche leer und sie gähnt genüsslich. Morgen heißt es wieder: lernen und produktiv sein. Schließlich stehen Klausuren und Hausarbeiten an. „Das gehört eben auch dazu“, stellt sie fest. Zuhause fällt sie direkt ins Bett und freut sich über ihr zurückgewonnenes Studentinnenleben.