Bye, Bye Stress

Bye, Bye Stress

Text: Jana Diek­mann

Bye, Bye Stress!
Sport als Regu­la­ti­on für nega­ti­ve Emo­tio­nen

Das Uni-Leben bringt Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Prü­fun­gen, Woh­nungs­su­che, viel­leicht auch neue Freun­de? Neben viel Auf­re­gung und Vor­freu­de sorgt das auch oft für Stress aus Frust, Sor­ge oder Wut her­aus. Auch Stu­die­ren­de müs­sen sich mit die­sen, nicht unbe­dingt erwünsch­ten Emo­tio­nen ordent­lich her­um­schla­gen. Hier ist es wich­tig, Aus­glei­che zu fin­den, die den All­tag auf die ein oder ande­re Art ein wenig leich­ter machen. Eine gesun­de Metho­de, nega­ti­ve Emo­tio­nen zu regu­lie­ren, ist Sport. Aber was steckt eigent­lich genau dahin­ter?

Stress beginnt im Kopf

Um zu ver­ste­hen, wie Sport hilft, nega­ti­ve Gefüh­le zu regu­lie­ren, muss man natür­lich erst ein­mal ver­ste­hen, was im Hirn pas­siert, denn dahin­ter steckt ein neu­ro­lo­gi­scher Pro­zess. Die­sen Pro­zess kennt Axel Moli­ne­ro aus den Bewe­gungs-wis­sen­schaf­ten der Uni Göt­tin­gen. Er beschäf­tigt sich unter ande­rem mit dem Men­tal­trai­ning und ist neben­be­ruf­lich auch als Men­tal Coach aktiv.

„Im Fokus ste­hen im Hirn die soge­nann­ten ‚exe­ku­ti­ven Funk­tio­nen‘“, sagt Moli­ne­ro. Das sind kogni­ti­ve Vor­gän­ge, die unser Den­ken und Han­deln steu­ern. Sie sind dafür da, dass wir ange­mes­sen auf Ver­än­de­run­gen in unse­rem Leben reagie­ren. „Vie­le wer­den wahr­schein­lich schon ein­mal den Begriff ‚Dopa­min‘ gehört haben. Dopa­min ist ein Neu­ro­trans­mit­ter im Gehirn, wel­cher an Lern­pro­zes­sen und Moti­va­ti­on betei­ligt ist“, erklärt er. Kör­per­li­che Betä­ti­gung erhöht den Dopa­min-Spie­gel und bringt damit die­se exe­ku­ti­ven Funk­tio­nen in Schwung. Das sorgt lang­fris­tig für Wohl­be­fin­den.

Nega­ti­ve Gefüh­le sind kom­plex und kön­nen die unter­schied­lichs­ten Ursa­chen haben. Eine Sache haben Wut, Trau­er oder Angst aber gemein­sam: sie akti­vie­ren Stress­re­ak­tio­nen im Kör­per. Der „fight or flight“-Reflex wird aus­ge­löst. „Das bedeu­tet Herz­schlag, Atem und Blut­druck stei­gen und die Pupil­len wer­den groß. Dabei wird das Stress­hor­mon Cor­ti­sol aus­ge­schüt­tet, was dafür sorgt, dass unser Kör­per für kur­ze Zeit noch leis­tungs­fä­hi­ger wird“, so der Sport­wis­sen­schaft­ler. Sport wie­der­um kann dafür sor­gen, dass Stress in Erfolgs­ge­füh­le umge­wan­delt wird. So hat das Hirn eine Her­aus­for­de­rung, und wenn die­se gemeis­tert ist, wird ein Glücks­ge­fühl in unse­rem Gedächt­nis abge­spei­chert.

Sport gegen Stress

Stress ist eigent­lich eher ein Über­be­griff. Und jede Art von kör­per­li­cher Akti­vi­tät bie­tet eine posi­ti­ve Wei­se, mit Stress umzu­ge­hen. Beson­ders gut ist hier­bei aber Aus­dau­er­sport. Sei es Lau­fen, Rad­fah­ren, Schwim­men oder Wan­dern. All das sorgt unter ande­rem dafür, dass sich die Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit der Ner­ven­si­gna­le erhöht und so das Cor­ti­sol schnel­ler ver­ar­bei­tet wer­den kann.

Natür­lich wer­den auch beim Uni­Sport Lau­fen und Leicht­ath­le­tik ange­bo­ten. Ist das einem zu ziel­los oder lasch, emp­fiehlt es sich viel­leicht mal, beim Ori­en­tie­rungs­lauf oder beim Moun­tain­bi­king vor­bei­zu­schau­en.

Sport gegen Wut und Ärger

Wut akti­viert auf natür­li­che Wei­se bestimm­te moto­ri­sche Ein­hei­ten im Gehirn. Die­se sor­gen unter ande­rem auch für Erfolg beim Kraft­trai­ning.

Kraft­trai­ning ver­folgt also ein ähn­li­ches Trai­nings­ziel, wodurch sich die­ses posi­tiv auf die Stim­mung aus­wir­ken kann. Übri­gens kann Kraft­trai­ning auch gegen Angst hel­fen.

Im Sport­zen­trum bie­tet das Fit­ness­stu­dio „FIZ“ sowohl Fit­ness-/ Kraft­trai­ning, als auch gerä­te­ge­stütz­tes Kraft­trai­ning an. Der Healt­hy Cam­pus hat hier auch regel­mä­ßig Schnup­per­kur­se im Pro­gramm. Also: soll­ten die Dozent*innen mal wie­der ner­ven: ab ins Fit­ness­stu­dio!

Und der Rest?

Das Erfolgs­ge­fühl beim Sport macht also aus Frust Glück. Gleich­zei­tig bie­tet Sport auch eine Mög­lich­keit, in Gesell­schaft Gleich­ge­sinn­ter ein Ziel zu ver­fol­gen. Hier­für eig­nen sich Team­sport­ar­ten her­vor­ra­gend. Sind es nun Klas­si­ker wie Fuß- oder Hand­ball oder viel­leicht mal etwas ganz Neu­es wie zum Bei­spiel Inline-Skate-Hockey oder Flag-Foot­ball? Die Regeln sind  leicht und der Erfolg ist in Gemein­schaft umso süßer!

Aber Sport ist nicht immer gleich Sport. Auch für die Bewe­gungs­muf­fel gibt es genü­gend Mög­lich­kei­ten beim Uni­Sport, um den All­tags­trott bei­sei­te zu legen. Der Healt­hy Cam­pus bie­tet bei­spiels­wei­se Medi­ta­ti­ons­kur­se an, wenn man ein wenig abschal­ten möch­te.

Bewe­gung scha­det nie – und wenn sie Spaß macht, umso bes­ser! Anstatt sich im WG-Zim­mer ein­zu­schlie­ßen, hilft viel­leicht auch ein ein­fa­cher Spa­zier­gang über den Wall – oder eben ein Blick ins Pro­gramm des Uni­Sports.


|Inter­view in vol­ler Län­ge|

War­um und wie kann Sport bei der Ver­ar­bei­tung von nega­ti­ven Emo­tio­nen hilf­reich sein?

Axel Moli­ne­ro: „Wer­fen wir zunächst einen Blick in die Struk­tu­ren unse­res Gehirns. In unse­rem Stirn­hirn, im sog. prä­fron­ta­len Cor­tex (PFC), sind die exe­ku­ti­ven Funk­tio­nen (EF) loka­li­siert. Das sind kogni­ti­ve und geis­ti­ge Vor­gän­ge, die unser Den­ken und Han­deln steu­ern. Zu den Basis­funk­tio­nen zählt die Inhi­bi­ti­on. Sie ermög­licht es uns, Stör­rei­ze zu unter­drü­cken, Hand­lungs­im­pul­se zu hem­men und nega­ti­ve Emo­tio­nen (wie z.B. Frus­tra­ti­on) zu tole­rie­ren. Dazu zählt auch das Arbeits­ge­dächt­nis, mit dem wir Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven ver­glei­chen, plan­voll han­deln und lang­fris­ti­ge Zie­le ver­fol­gen. Mit die­sem Teil unse­res Hirns üben wir auch die kogni­ti­ve Fle­xi­bi­li­tät, also mit Unvor­her­ge­se­he­nem umzu­ge­hen, uns auf Neu­es ein­zu­stel­len und die Per­spek­ti­ve zu wech­seln.

Die EF die­nen vor allem unse­rem selbst­re­gu­lier­ten Ver­hal­ten, d.h. unse­re Auf­merk­sam­keit, Emo­tio­nen, Impul­se und Hand­lun­gen so zu regu­lie­ren, dass wir situa­ti­ons­ge­recht und ange­mes­sen auf Ver­än­de­run­gen in unse­rem Lebens­be­reich reagie­ren — etwas, das wir tag­täg­lich tun müs­sen.

Kör­per­li­che Betä­ti­gung för­dert sowohl kurz- als auch lang­fris­tig die EF in beson­de­rem Maße. Und die Leis­tung unse­rer EF wirkt sich wie­der­um auf unser Wohl­be­fin­den sowie den Erfolg im All­tag, Stu­di­um und Beruf aus. Es liegt also auf der Hand, sich sport­lich zu betä­ti­gen!“

Gibt es einen Pro­zess der im Körper/Gehirn abläuft, wenn man Sport macht, wel­cher dazu bei­trägt, wenn ja, wel­cher?

Axel Moli­ne­ro: „Sport­li­ches Trai­ning, Bewe­gung und Spiel aus eige­nem Antrieb las­sen Neu­ro­ne und Syn­ap­sen (Ver­bin­dung zwi­schen Ner­ven­zel­len) in den­je­ni­gen Berei­chen wach­sen, die für die Leis­tung unse­rer EF zustän­dig sind.

Das ist zum einen im Stria­tum (Strei­fen­kör­per), in den Basal­gan­gli­en. Dort, im „Haupt­bahn­hof“ für Infor­ma­tio­nen unse­res Gehirns, wird ent­schie­den, wel­che Hand­lun­gen voll­führt wer­den. Das Stria­tum ist ins­be­son­de­re in Moti­va­ti­on, moto­ri­sches Ler­nen und Bewe­gungs­voll­zug invol­viert.

Zum ande­ren ist es im Hip­po­cam­pus, im lym­bi­schen Sys­tem. Die­ser ist wich­tig für Lern­vor­gän­ge und vie­le höhe­re kogni­ti­ve Leis­tun­gen und stellt eine Art „Gabel­stap­ler“ dar, wenn es um die Spei­che­rung von Gedächt­nis­in­hal­ten geht.

Die Leis­tung unse­rer EF hängt von der Leis­tung unse­res PFC ab, aber auch vom Zusam­men­spiel von PFC, Stria­tum und Hip­po­cam­pus. Und da kommt Dopa­min ins Spiel. Die­ser Neu­ro­trans­mit­ter (Boten­stoff für neu­ro­na­le Kom­mu­ni­ka­ti­on) ist in Lern­pro­zes­sen und Moti­va­ti­on im Gehirn betei­ligt. Im PFC regu­liert es die EF und för­dert somit unse­re Selbst­re­gu­la­ti­on. Am Hip­po­cam­pus und am Stria­tum dient es als Tür­öff­ner für neue Gedächt­nis­in­hal­te (z.B. erfolg­rei­che Erleb­nis­se, posi­tiv kodier­te Erin­ne­run­gen), durch die sie ihren Weg ins Lang­zeit­ge­dächt­nis im Cor­tex fin­den.

Kör­per­li­che Akti­vi­tät erhöht schlag­ar­tig den Dopa­min-Basis-Spie­gel. Dem­zu­fol­ge trägt Bewe­gung dazu bei, dass unse­re geis­ti­ge Leis­tungs­fä­hig­keit kurz- und lang­fris­tig steigt.“

Wel­che Sport­ar­ten hel­fen bei­spiels­wei­se beson­ders gut bei … Stress, Wut, Trau­er oder Angst?

Axel Moli­ne­ro: „Prin­zi­pi­ell lässt sich sagen, dass jede Form von kör­per­li­cher Akti­vi­tät gut ist.

Aero­bes Trai­ning (Lau­fen, Rad­fah­ren, Schwim­men, Wan­dern…) hat z.B. posi­ti­ve Effek­te auf Stria­tum und Hip­po­cam­pus, denn dort führt es zu einer Volu­men­zu­nah­me die­ser Struk­tu­ren: Es kommt näm­lich zu einer Ver­grö­ße­rung der Syn­ap­sen, sowie zu einer Zunah­me ihrer Anzahl und einer Ver­meh­rung der Zell­fort­sät­ze. Außer­dem ver­stärkt sich die Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit der Ner­ven­si­gna­le.

Bei Wut und Ärger kön­nen für eine kur­ze Zeit mehr moto­ri­sche Ein­hei­ten (funk­tio­nel­le Ein­heit aus Moto­neu­ron und allen von ihm inner­vier­ten Mus­kel­fa­sern) akti­viert wer­den. Stu­di­en haben gezeigt, dass Kraft­trai­ning, das u.a. die­ses Trai­nings­ziel ver­folgt, posi­ti­ve Effek­te auf Stim­mung, Wohl­be­fin­den und Ängst­lich­keit hat.

Bewe­gungs­er­fol­ge, wie sie in tech­nisch ori­en­tier­ten Sport­ar­ten oder Sport­spie­len vor­kom­men, rufen sog. Pha­si­sche (regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de) Dopa­mi­n­ak­ti­vie­run­gen her­vor, die kurz­zei­tig unse­re Lern­leis­tung und die EF för­dern. Denn Dopa­min wird dann aus­ge­schüt­tet, wenn es eine Aus­sicht auf Gelin­gen gibt oder wenn etwas Uner­war­te­tes beson­ders erfolg­reich gemeis­tert wird (Letz­te­res löst eine Frei­set­zung kör­per­ei­ge­ner Opio­iden als „Beloh­nung“ aus). Außer­dem för­dert die Dopa­min­aus­schüt­tung die Aus­lö­sung vom Pro­te­in BDNF („brain deri­ved neu­ro­tro­phic fac­tor“), das wie Dün­ger für die Kon­so­li­die­rung lang­fris­ti­ger emo­tio­na­ler Gedächt­nis­in­hal­te und affek­ti­ver Erin­ne­run­gen im Cor­tex wirkt.

Nega­ti­ve Emo­tio­nen wie Wut, Trau­er, Angst oder Ärger haben etwas Gemein­sa­mes: Sie akti­vie­ren im Kör­per Stress­re­ak­tio­nen. Sind wir mit einer her­aus­for­dern­den oder ver­meint­lich bedroh­li­chen Situa­ti­on kon­fron­tiert, wird unser Hip­po­cam­pus durch die Amyg­da­la (Man­del­kern­kom­plex) akti­viert. Infol­ge­des­sen wer­den Nor­ad­re­na­lin und Adre­na­lin frei­ge­setzt. Herz­schlag, Atem­fre­quenz und Blut­druck stei­gen, Blut­ge­fä­ße wei­ten sich in der Ske­lett­mus­ku­la­tur aus, die Pupil­len erwei­tern sich. Wir sind bereit für Flucht oder Kampf! Infol­ge meh­re­rer Reak­ti­ons­ket­ten wird das Stress­hor­mon Cor­ti­sol, das für die Akti­vie­rung in Not­si­tua­tio­nen wich­tig ist, aus­ge­schüt­tet. Unser Kör­per ist noch leis­tungs­fä­hi­ger!

Aller­dings haben lang­fris­tig erhöh­te Cor­ti­sol­spie­gel nega­ti­ve Effek­te auf unse­ren Kör­per und Geist. Dau­er­haf­ter Stress wirkt sich nega­tiv auf die Plas­ti­zi­tät (Fähig­keit von Syn­ap­sen, Ner­ven­zel­len und gan­zen Hirn­area­len, sich abhän­gig vom Grad ihrer Nut­zung zu ver­än­dern) des Hip­po­cam­pus aus, die Akti­vi­tät im PFC wird her­ab­ge­setzt und dadurch die Leis­tung der EF ver­min­dert. Dem­zu­fol­ge scha­det anhal­ten­der Stress unse­rem Gehirn.

Eine bemer­kens­wer­te Aus­nah­me stellt der Sport dar: Neben der bereits erwähn­ten Aus­schüt­tung von Dopa­min und kör­per­ei­ge­nen Opio­iden tra­gen ins­be­son­de­re auch Stress­hor­mo­ne dazu bei, dass sowohl die Umge­bungs­be­din­gun­gen als auch das sport­li­che Gesche­hen tief im Gedächt­nis ver­an­kert wer­den. Die­se Situa­tio­nen blei­ben nicht nur gut, son­dern auch ger­ne in Erin­ne­rung.

Der Sport bie­tet viel­fäl­ti­ge Gele­gen­hei­ten, sich Her­aus­for­de­run­gen zu stel­len und Erfolgs­er­leb­nis­se zu erzie­len – Aspek­te, die in unse­rem moder­nen All­tag beson­ders häu­fig mit inten­si­ven Opio­id­aus­schüt­tun­gen im Gehirn ein­her­ge­hen. Da hier­bei in der Regel auch die Stress­hor­mon­spie­gel erhöht sind, prä­gen sich sport­li­che Erfah­run­gen beson­ders nach­hal­tig ein.“

Wie kann man aus
nega­ti­ven Emo­tio­nen
neue Moti­va­ti­on schöp­fen?

Axel Moli­ne­ro: „Das Lust­zen­trum unse­res Gehirns, der sog. Nucleus accum­bens im Stria­tum, wird durch Dopa­min akti­viert. Die­ser Bereich ist reich an Dopa­min­re­zep­to­ren. Wenn Dopa­min aus­ge­schüt­tet wird, bin­det es an die­se Rezep­to­ren, was zu einer Erre­gung der Ner­ven­zel­len führt. In der Fol­ge wer­den kör­per­ei­ge­ne Opio­ide frei­ge­setzt, die uns ein Gefühl von Glück und Genuss (das soge­nann­te “liking”) ver­mit­teln. Wäh­rend Dopa­min für das Ver­lan­gen und die Moti­va­ti­on (“wan­ting”) zustän­dig ist, sind es also die Opio­ide, die für das eigent­li­che posi­ti­ve Gefühl sor­gen.

Wenn etwas Uner­war­tet-Posi­ti­ves geschieht, was unser Gehirn als „neu“ und „bes­ser als bis­her“ inter­pre­tiert, wird Dopa­min schlag­ar­tig aus­ge­schüt­tet. Die Dopa­min­frei­set­zung ist umso grö­ßer, wenn wir etwas errei­chen, was wir vor­her nicht konn­ten, je mehr ein posi­ti­ves Ereig­nis auf unser eige­nes Bemü­hen zurück­zu­füh­ren ist, oder wenn das posi­ti­ve Ereig­nis von dem abweicht, was wir erwar­tet haben. Das Gehirn lernt also, wann eine Beloh­nung mög­lich ist. Schon Hin­wei­se auf eine mög­li­che Beloh­nung akti­vie­ren das Dopa­min­sys­tem.

Im Sport bedeu­tet das: Haben wir eine Auf­ga­be erfolg­reich gemeis­tert, führt dies dazu, dass wir die ent­spre­chen­de Übung wie­der­ho­len wol­len. Klappt dann eine Wie­der­ho­lung des Ereig­nis­ses, wer­den erneut Opio­ide aus­ge­schüt­tet, und wir haben Spaß. Wird eine Bewe­gung oft geübt und zuneh­mend sicher beherrscht, schüt­tet das Gehirn bereits Dopa­min aus, wenn ein Hin­weis auf eine mög­li­che Beloh­nung auf­taucht. Dadurch steigt das Ver­lan­gen, sich die Beloh­nung zu beschaf­fen.

Uner­war­te­te Bewe­gungs­er­fol­ge för­dern die Moti­va­ti­on. Stän­di­ge Her­aus­for­de­run­gen füh­ren zur Aus­lö­sung von struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen im Gehirn, die den Geist vita­li­sie­ren. Sport­lich gese­hen kann bei­spiels­wei­se regel­mä­ßi­ges Aus­dau­er­trai­ning selbst zur Beloh­nung wer­den. Dabei sorgt nicht nur das aku­te Wohl­be­fin­den nach dem Trai­ning für ein gutes Gefühl – auch lang­fris­tig ver­bes­sert regel­mä­ßi­ge kör­per­li­che Akti­vi­tät die Stim­mung, stärkt das Selbst­be­wusst­sein und senkt Ängs­te sowie depres­si­ve Ver­stim­mun­gen. Also nichts wie Lauf­schu­he schnü­ren und los­lau­fen!“

Vie­len Dank für das
Inter­view!


Axel Moli­ne­ro ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Insti­tut für Sport­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen. Sei­ne Schwer­punk­te lie­gen in der Trai­nings- und Bewe­gungs­wis­sen­schaft mit Fokus auf Ausdauer‑, Höhen- und Men­tal­trai­ning. Neben­be­ruf­lich ist er als Sport-Men­tal­coach tätig und unter­stützt Athlet*innen dabei, ihre men­ta­le Stär­ke zu ent­fal­ten und ihre Leis­tungs­fä­hig­keit gezielt zu ent­wi­ckeln.